Rot, Eigentor, fünf Gegentreffer
Platzverweis, Eigentor, fünf Gegentore in einer Halbzeit! Die 3:5-Abreibung für Dynamo Dresden beim 1. FC Heidenheim war nichts anderes als ein unfassbarer Einbruch nach einer starken ersten Hälfte. Unter der Woche noch die Frauenkirche gerockt, am Samstag in Heidenheim im Sondertrikot war es eher ein Ritt auf der Rasierklinge, bei dem Dynamo zuvor am Boden liegende Hausherren immer wieder zum Tanz aufforderte und aufbaute. Beim 3:5 (1:0) offenbarten sich aber so einige Schwächen in der Choreografie. Erste Halbzeit hui, durchgewirbelt wurde in Durchgang zwei nur die SGD. Diese 3:5 (1:0)-Niederlage gegen den FC Heidenheim wird man bei Dynamo Dresden so schnell nicht vergessen.
Als Schiedsrichter Felix Bickel die Partie auf dem Schlossberg abpfiff, beendete er 45 Minuten bester Fußball-Unterhaltung im Stadion des 1. FC Heidenheim. 5:3 (0:1) hatte das Team von Trainer Frank Schmidt die Gäste aus Dresden am Ende geschlagen, sieben der acht Tore an diesem Nachmittag fielen in der zweiten Hälfte.
Die Dresdner mussten auf Nicolaj Rapp und Christoph Daferner verzichten. Rapp fiel kurzfristig wegen Achillessehnenbeschwerden aus, Daferner muss nach einem Zeckenbiss Antibiotika einnehmen. Zur Pause führte die SGD, die anlässlich des 300. Jubiläums ihrer Grundsteinlegung mit der Frauenkirche auf dem Trikot auflaufen, verdient. Die Gäste gingen zweimal in Führung – sogar in Unterzahl. Nach einem kuriosen Eigentor der Dresdner drehten die Heidenheimer die Partie aber noch und holten nach zwei Pflichtspielniederlagen wieder drei wichtige Punkte. Vincent Vermeij brachte Dynamo in der 30. Minute in Führung. Thomas Dähne, der im Heidenheimer Tor den Vorzug vor Frank Feller erhalten hatte, kam an den Kopfball des Niederländers nicht mehr heran. Dynamo konnte eigentlich ein Tor höher vorn liegen, doch Niklas Hauptmann (17./40.) und Kaan Inanoglu (33.) ließen dicke Bretter am Strafraum aus.
Andere 2. Hälfte kippt Spiel
Zwar hat Heidenheim Glück, dass Mathias Honsak für zwei Foulspiele binnen einer Minute nicht mit Gelb-Rot runterflog (52./53.). Doch die SGD verlor schon in dieser Phase mit und ohne Ball die ganze Kontrolle. Im weiteren Verlauf einer Ecke kann Jan Schöppner viel zu einfach aus Kurzdistanz zum 1:1 einköpfen (68.). Lukas Boeder, der Mittelfeld-Abräumer Nicolai Rapp (leichte Achillessehnenbeschwerden) in der ersten Hälfte noch sehr gut vertrat, sieht dabei ganz alt aus. Dynamo-Trainer Thomas Stamm (43) reagierte nun mit den ersten überfälligen Wechseln, brachte Jakob Lemmer für Inanoglu und Jonas Oehmichen für Boeder (68.). Doch die Partie kippte weiter.
Tragischer Keller fliegt vom Platz
Dann wurde es wild: Dresdens Thomas Keller (69.) sah für ein Foul Gelb-Rot. Keller meinte danach: „Das ist echt bitter. Ich sehe ihn nicht, falle, glaube ich, auf seinen Fuß!“. Nur kurze Zeit später stellte Robert Wagner auf 2:1 für Dynamo (73.). Heidenheim schlug in Überzahl aber zurück. Friedrich Müller bugsierte den Ball im hohen Bogen ins eigene Tor (77.). Nach dem Eigentor hat das Spiel eine gewisse Dynamik angenommen. „Wir haben es nicht geschafft, Heidenheim über fünf, sechs Minuten zu zermürben. Und schließlich war dann jeder Schuss ein Treffer“, sagte Dynamo-Trainer Thomas Stamm.
Alles riecht da noch nach Plus-Punkten für die SGD. Frank Schmidt meint: „Das Eigentor war psychologisch für uns wichtig.“ Vor allem in Kombination mit dem Platzverweis und dem nun bestehenden Keller-Loch in der Defensive ist es zu viel für Dresden auf einmal. Offensichtliches Problem: Beim 3:2-Volleyschuss von Oualid Mhamdi (87.) steht Dynamo hinten nicht eng und massiv genug, um den einen Punkt zu retten. Außerdem fehlen mit Rapp, Keller sowie den ausgewechselten Hauptmann und Vermeij (Fröling kam kurz zuvor) quasi alle Führungsspieler in der zentralen Achse auf dem Feld. So bricht Dresden aus dem Nichts komplett ein, kassiert durch Julian Niehues (90.) und Maximilian Breunig (90.+2) noch zwei weitere Treffer und damit drei binnen fünf Minuten. Sterners Anschlusstor zum 3:5-Endstand ist Kosmetik, weil sich die SGD die lange Zeit gute Leistung selbst kaputtmachte.
Robert Wagner äußerte sich selbstkritisch: „Wir müssen mit einem Mann weniger einfach cleverer spielen. Das müssen wir uns vorwerfen. Wir sind teilweise vorn angelaufen, wo es einfach keinen Sinn ergeben hat.“ Dynamo muss am kommenden Samstag im Abendspiel gegen den VfL Bochum zeigen, das man aus Fehlern lernt. Heiden reist nach Fürth zum Auswärtsspiel.
