Platzsturm, Ausschreitungen, Hertha siegt in Dresden

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Überschattet von Ausschreitungen hat Dynamo Dresden das Zweitliga-Topspiel gegen Hertha BSC am Samstagabend mit 0:1 (0:0) verloren. Spielerisch zeigten beide Teams lange magere Kost und lieferten kaum nennenswerte Chancen. Im zweiten Durchgang flog dann erst Brekalo vom Platz, ehe Dynamo vom Punkt die Führung liegen ließ und schließlich sogar den entscheidenden Gegentreffer kassierte.

Pyro schon zu Beginn und Abbruch

Schon in den ersten Minuten hatten beide Fanlager großflächig Pyrotechnik gezündet. Aus dem Berliner Gästeblock war dichter blau-weißer Rauch aufgestiegen, während Dresdner Anhänger hinter dem Ultrablock außerhalb des Stadions ein Feuerwerk abbrannten. Aufgrund der eingeschränkten Sicht stellte Schiedsrichter Sven Jablonski die Begegnung nach drei Minuten erstmals vorübergehend ein.  Knapp 18 Minuten lang war es ein intensives Spiel, in dem Hertha ein wenig die Oberhand hatte, es ingesamt aber weit mehr hitzige Duelle als Torchancen gab. Fußballerisch war sie kein Leckerbissen, abseits des Balles aber höchst problematisch. In der Anfangsphase gab es immer wieder Pyro- und Böller-Geknalle und eine kurze Unterbrechung, doch so schlimm diese Situation auch war, in der 19. Minute wurde es noch viel schlimmer.

Zuschauer stürmen das Feld

Zunächst war im Hertha-Block ein lauter Knall zu hören, anschließend sprangen sowohl Dresdner als auch Berliner Anhänger über die Zäune. Mehrere Dynamo-Fans liefen quer über das Spielfeld in Richtung des Gästeblocks. Jablonski unterbrach das Spiel sofort und schickte beide Mannschaften in die Kabinen. Polizisten versuchten, die auf den Platz gelangten Dresdner Anhänger zurück in ihren Block zu drängen. Insgesamt mehr als 100 Beamte stellten sich in zwei Reihen in der Dynamo-Hälfte auf, mit Blick auf den Ultrablock. Die Stimmung im Rudolf-Harbig-Stadion war zu diesem Zeitpunkt stark aufgeheizt. Der gelbgesperrte Dresdner Kapitän Stefan Kutschke versuchte unterdessen, zu vermitteln und auf die Ränge einzuwirken. Nach rund 20 Minuten zogen die Einsatzkräfte vom Rasen ab. Der Stadionsprecher kündigte an, dass die Partie fortgesetzt werde, was dann auch geschah.

Herthas Geschäftsführer Peter Görlich sagte in der Halbzeitpause bei Sky, ein solcher Fahnenklau sei aus Sicht des Klubs der Auslöser dafür gewesen, dass Berliner Anhänger den Innenraum hätten stürmen wollen. Ob es sich dabei um eine zentrale Zaunfahne der Hertha-Ultras handelte, blieb jedoch weiterhin unklar. Im Dresdner Block war während der Unterbrechung jedoch zu sehen, wie eine Hertha-Fahne verbrannt wurde. Gesänge wie „Haha, wo ist eure Fahne hin…“ bestätigten dies offenbar. In der Ultra-Kultur gilt das Erbeuten gegnerischer Fahnen als schwerwiegende Provokation und führt häufig zu weiterer Eskalation.

Nach der halbstündigen Unterbrechung betraten beide Teams wieder das Feld, arbeiteten sich in den verbleibenden 25 Minuten jedoch hauptsächlich aneinander ab, ohne wirklich gefährlich zu werden. Mit dem zweiten Schuss von Reese hatte Schreiber erneut keine Probleme (25.), beim Zuspiel von Alexander Rossipal stand der gut positionierte Ben Bobzien knapp im Abseits und traf zudem den Ball nicht, sodass es zur Pause beim 0:0 blieb.

Großchancen für beide Teams, Brekalo sieht Rot

Fernab dieser Thematik ging es in der zweiten Halbzeit sportlich um sehr viel. Dresden brauchte im Abstiegskampf jeden Punkt und Hertha benötigte unbedingt einen Sieg, um im Aufstiegskampf der 2. Liga eine gewichtigere Rolle spielen zu können. Die größte Chance auf die Führung hatte schließlich Dynamo in der 62. Minute, als Kofi Amoako den Ball perfekt auf Ben Bobzien flankte, der aber knapp am Tor vorbeischoss.

Unmittelbar danach vergab Dawid Kownacki die größte Hertha-Gelegenheit, als er aus der Drehung zu hektisch abschloss (63.). Nach den schlimmen Fan-Szenen der ersten Halbzeit gab es kurz danach eine ganz schlimme sportliche Szene: Josip Brekalo trat Robert Wagner mit der der Sohle voll aufs Schienbein und sah völlig zu Recht die Rote Karte (66.). Der für Berlin so wichtige Sieg war nun ganz weit weg und Dresden eröffnete sich die Möglichkeit, Big Points im Keller zu holen. Nach einer Ecke ging der Ball an den zu hohen Arm von Paul Seguin. Den fälligen Strafstoß nahm sich Vincent Vermeij, der mit seinem halbhohen Schuss jedoch an Tjark Ernst scheiterte (78.).

Zehn Minuten vor Ende sorgte ein Hertha-Vorstoß für das spielentscheidende Tor: Eine Flanke von Reese fand Marten Winkler, dessen Kopfball fälschte Alexander Rossipal mit dem Hinterkopf unglücklich ab. Die daraus resultierende Bogenlampe landete unhaltbar für Tim Schreiber zum 0:1 im Netz. In Überzahl versuchte Dresden bis zum Schluss noch einmal alles, kam jedoch nicht mehr zu zwingenden Chancen und musste sich mit 0:1 geschlagen geben.

Dresdens Trainer Thomas Stamm haderte: „Auch den Elfmeter ausgenommen, müssen wir das auch so für uns entscheiden.“ Der Grund dafür sei die fehlende Effizienz gewesen, so Stamm. Herthas Stefan Leitl freute sich über das glücklichere Ende seiner Mannschaft nach einer „klaren Roten Karte“ und dem Elfmeter: „Trotzdem kommen die Jungs dann zurück und belohnen sich über einen großen Einsatz und große Disziplin.“ Und so baute das Team von Leitl seine starke Form auf 13 Punkte aus den vergangenen fünf Spielen aus, der Rückstand auf die Plätze zwei und drei beträgt vor den Sonntagsspielen nur noch vier Zähler. Mit einem Sieg am nächsten Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern (13 Uhr) will Hertha noch mehr Druck auf die Top drei machen. Dresden muss gleichzeitig beim 1. FC Nürnberg punkten, sonst droht die Rückkehr auf die Abstiegsplätze.

2.Liga 2025-2026 | Spieltag 28
| Heinz-Steyer-Stadion | 04.Apr..2026-20:30
Dynamo Dresden
U S U S N
0 : 1
Endstand
Hertha BSC
N S S U S
Alexander Rossipal
80'
1. Halbzeit
45' 15' 30'
 
2. Halbzeit
90' 60' 75'
3'
Tore
80'
Eigentor

 

Hertha BSC schlägt Dynamo im Olympia Stadion

Niederlage

Dynamo hatte sich viel vorgenommen

.. war bis kurz vor der Halbzeit auch nicht schlecht im Spiel, doch ein umstrittener Zweikampf brachte die Schwarz-Gelben aus dem Tritt. Das 0:2 bei Hertha BSC war beileibe nicht das, was sich Trainerstab und Mannschaft von Dynamo Dresden vor der Megakulisse von 70.914 Zuschauern im Berliner Olympiastadion vorgenommen hatten. Dementsprechend groß war die Ernüchterung im Lager der Schwarz-Gelben, als Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) das Zweitliga-Duell an einem historisch bedeutsamen Ort beendete.

Begleitet wurde die Partie in Berlin von einem großen Polizeiaufgebot. Mehrere Hundertschaften waren aufgeboten am Fußball-Großeinsatz-Tag: Nur eine gute halbe Stunde nach dem Schlusspfiff im Westen der Hauptstadt sollte die Bundesliga-Partie von Herthas Stadtrivale 1. FC Union gegen den SC Freiburg in Berlin-Köpenick beginnen. Die Begegnung zwischen Hertha BSC und Dynamo Dresden begann mit einer kontrollierten Anfangsphase der Hausherren. Die Berliner bestimmten das Geschehen mit viel Ballbesitz, während sich Dynamo zunächst auf eine kompakte Defensive und schnelle Umschaltmomente konzentrierte.

Nachdem der Rauch der Pyro abgezogen war, begann Dynamo abtastend, ließ die Hertha kommen. In der siebten Minute wurde es dann das erste Mal richtig heikel, als der Ex-Magdeburger Luca Schuler frei vor Lennart Grill im Kasten der SGD auftauchte. Doch der Herthaner versuchte einen Lupfer, der am sich breit machenden Grill hängenblieb. Sechs Minuten später: Im Zusammenspiel mit Linus Gechter, der 20 Minuten später verletzt vom Platz musste, brachte er die Gastgeber mit einem sehenswerten Treffer in Führung (13.). Im Gegenzug nach dem Anstoß scheiterte Dynamo-Kapitän Niklas Kaufmann mit einem Distanzschuss an Berlins Torwart Tjark Ernst.

Der zweite Hertha-Treffer in der Nachspielzeit

Dynamo versuchte anschließend, mehr Druck aufzubauen, fand aber kaum ein Durchkommen gegen die gut gestaffelte Berliner Abwehr. Kurz vor dem Pausenpfiff sorgte ein ungestümes Einsteigen von Kammerknecht im eigenen Strafraum für den nächsten Rückschlag: Schiedsrichter Bastian Dankert entschied auf Elfmeter. Fabian Reese übernahm die Verantwortung und verwandelte sicher zum 2:0-Pausenstand.

Nach dem Seitenwechsel verlor die Partie deutlich an Tempo und Intensität. Beide Teams fanden nur schwer in den Rhythmus, und gefährliche Toraktionen blieben Mangelware. Dresden bemühte sich um mehr Offensivpräsenz, doch die Angriffsbemühungen verpufften meist an der gut organisierten Hertha-Defensive oder endeten in ungenauen Pässen. Die Berliner beschränkten sich in der zweiten Halbzeit weitgehend auf die Spielkontrolle und verteidigten die Führung souverän. Nur selten setzten sie offensive Akzente, brachten den verdienten Heimsieg aber letztlich sicher über die Zeit.

Dynamo blieb harmlos, Hertha verpasst das 3:0

Die Hertha presste hoch und ließ Dresden nicht zurück ins Spiel kommen. Ein Abschluss von Reese aus spitzem Winkel zwang Grill zu einer Glanztat (64.), Cuisance hätte sieben Minuten später alles klar machen können. Doch der Torschütze zum 1:0 ließ diesmal nicht die SGD-Abwehr ins leere Laufen und wurde geblockt. Thomas Stamm rotierte kräftig durch, ohne Erfolg. Die beste Chance der SGD hatte Kofi Amoako nach einer Ecke (76.), doch Tjark Ernst reagierte glänzend. So taumelte das Spiel dem Ende entgegen, das Niveau auf dem Rasen nahm zusehends ab. Die Fans auf den Rängen ließ das weitgehend kalt, auch wenn Dynamo auf jeden Fall nach diesem Spieltag auf einem direkten Abstiegsplatz stehen wird. Denn egal, wie das Spiel am Sonntag zwischen Bochum und Magdeburg ausgeht – mindestens einer der beiden Kontrahenten um den Klassenerhalt wird am Ende vor der SGD stehen.

Dynamo wartet nun schon seit acht Meisterschaftsspielen auf den zweiten Saisonsieg.

Thomas Stamm, Dynamo-Coach: „Gratulation an Hertha! Wenn man die Qualität der Chancen sieht, dann ist der Sieg nicht unverdient. Mit Ball haben wir gute Lösungen bis ins letzte Drittel gehabt, sind dann aber sehr unsauber gewesen, haben falsche Entscheidungen getroffen. Wir haben vielleicht einen Tick zu früh den Abschluss gesucht, wenngleich es heute gerade in der ersten Halbzeit die eine oder andere Position gab, die beim Stand von 1:0 hätte spannend sein können. Wenn man das erste Tor nimmt, dann hatten wir zuviel Personal in der eigenen Box. Da müssen wir einfach aktiver, mutiger verteidigen. Das zweite Tor war für mich eine Fifty-fifty-Entscheidung, was das Duell anbelangt, aber niemals ein Elfmeter. Der Schiedsrichter war sehr überzeugt, aber an dem lag es nicht, dass wir heute keine Punkte mitnehmen.“

Stefan Leitl, Hertha-Coach: „Ich bin natürlich sehr zufrieden, dass wir das Spiel am Ende der Englischen Woche noch für uns entscheiden konnten. Wir haben wieder zu null gespielt. Großes Kompliment an die Mannschaft! Ich fand uns die ersten 20 Minuten unfassbar strukturiert, das war gut. Die Dresdner mussten permanent verschieben, dem Ball hinterherlaufen.“

Claudio Kammerknecht, Dynamo-Verteidiger: „Das ist sehr bitter. Wir hatten schon ein bisschen Respekt am Anfang, sind nicht gut ins Spiel gekommen. Das erste Gegentor darf so nicht passieren, da sind wir genügend Leute hinter dem Ball, aber Cuisance macht es dann auch gut. Danach sind wir immer besser ins Spiel gekommen, haben mehr Spielkontrolle gehabt, haben uns auch ein paar Möglichkeiten erarbeitet – ob es Distanzschüsse oder sonstiges war. Und dann kam die Elfmetersituation, wo ich es so empfunden habe: Das war Körper gegen Körper. Das war ein ganz normaler Zweikampf. Das war für mich kein Elfmeter, aber der hat natürlich das ganze Spiel kaputt gemacht.“

Niklas Hauptmann, Dynamo-Regisseur: „Es ist schwierig, immer wieder Worte zu finden – die Dinge ähneln sich von Woche zu Woche. Zwei Gegentore im Schnitt – das ist einfach zuviel. Dann ist es schwierig, Spiele zu gewinnen.“

Fabian Reese, Hertha-Torschütze: „Die Tendenz bei uns stimmt, seit der Systemumstellung sehen wir, glaube ich, eine andere Mannschaft. Wir sehen nach wie vor, dass wir immer wieder rotieren können, immer neue Spieler auf dem Feld haben, nicht immer die selbe Startelf. Und dass wir hintenraus immer noch nachlegen können. Ich glaube, wir hätten auch heute das Spiel eher zumachen können.“

2.Liga 2025-2026 | Spieltag 11
| Olympiastadion | 01.Nov..2025-13:00
Hertha BSC
S S N S S
2 : 0
Endstand
Dynamo Dresden
U N U U N
Mickael Cuisance
13'
Fabian Reese
45'+2'
1. Halbzeit
45' 15' 30'
2'
 
2. Halbzeit
90' 60' 75'
Tore
Elfmetertor
45'
+2