Nach Ausschreitungen: Dynamo ergreift Maßnahmen

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Nach den Ausschreitungen im Spiel gegen Hertha BSC treibt Dynamo Dresden die Aufarbeitung voran. Erste Konsequenzen soll es schon am Samstag gegen den VfL Bochum geben. Alle Gremien des Vereins positionierten sich eindeutig und vertreten gemeinsam die sechs Rigoros-Reaktionen auf die Gewaltexzesse.

Gegen alle Personen, die beim Platzsturm beteiligt waren und identifiziert werden, wird es strikte Stadionverbotsverfahren geben. „Für uns gibt es hierbei keinerlei Diskussionspotenzial“, sagt SGD-Geschäftsführer Stephan Zimmermann. Im Rahmen einer verabredeten Hooligan-Schlägerei zwischen Nürnberg- und Dynamo-Chaoten am Samstagabend in Thüringen wurde eine große Anzahl von Personendaten erfasst. Für alle Dresdner Fälle wird der Klub ein Hausverbot für das Rudolf-Harbig-Stadion erteilen. Der DFB ist bei Ereignissen an Drittorten für Stadionverbote zuständig.

Dynamo droht weiterhin seinen Anhängern nach den Krawallen im Zweitliga-Spiel gegen Hertha BSC mit dem Entzug der Mitgliedschaft. „Wer derartige Verfehlungen vorweist, kann nicht länger Teil unserer Sportgemeinschaft sein„, sagte Präsident Ronny Rehn. Man werde „beim Ehrenrat dafür plädieren, diesen Personen die Mitgliedschaft zu entziehen.“

Umbauten im Stadion, mehr Security

Um den Gästebereich besser zu sichern, wird der linke Sitzplatzblock im unteren Teil nicht mehr besetzt, sondern stattdessen mit einer Plane überzogen, sodass der Übertritt ins Stadioninnere nicht mehr möglich ist. Zusätzlich wird an dieser wichtigen Stelle die Zahl an Ordnern erhöht. Auch das Sicherheitskonzept für die Heimspiele der SGD inklusive der Einlasssituation im Rudolf-Harbig-Stadion wird nach den Vorkommnissen überarbeitet. So sollen bei Hochrisikospielen Mitarbeiter des Ordnungsdienstes auch vor dem Bereich des K-Blocks den Innenraum absichern. Zimmermann wird deutlich: „Die Hemmschwelle muss steigen, weil sie ehrlich gesagt bei manchem so gut wie gar nicht vorhanden scheint.

Ein Kritikpunkt nach den Hertha-Ausschreitungen war, dass zu wenig Ordner und die Polizei zu langsam vor Ort war. Bei den Aufarbeitungen kam heraus, dass durch Auseinandersetzungen hinter dem Gästeblock zu Beginn der Partie Teile des Sicherheitspersonals vom Innenraum in den Stadionumlauf versetzt wurden. Dies soll künftig so nicht mehr passieren.

Pufferbereiche im Heimbereich rund um den Gästeblock werden erweitert, der Sitzplatzbereich des Auswärtsblocks soll eingegrenzt werden. Erste Maßnahmen nach Gesprächen mit Vertretern der Verbände, Polizei, Sicherheitsträgern, Fanszene und Fanprojekt, Hertha BSC sowie dem Innenministerium und der Landeshauptstadt Dresden sollen schnellstens umgesetzt und teilweise bereits beim kommenden Heimspiel am Samstag (13 Uhr/Sky) gegen den VfL Bochum greifen. Bei Hochrisikospielen werden Polizeikräfte direkt im Stadion positioniert und Ordnungsdienstmitarbeiter sollen vor dem Bereich des K-Blocks, wo der harte Kern der Dynamo-Fans steht, den Innenraum absichern.

Durch die Sichtung von Foto- und Videomaterial konnten wir zahlreiche Erkenntnisse der Abläufe gewinnen„, sagte Zimmermann. Bei dem Spiel am 4. April waren Anhänger beider Mannschaften über Absperrzäune geklettert und hatten sich im Innenraum des Stadions unter anderem mit Feuerwerkskörpern attackiert. Polizisten schritten daraufhin ein, trennten die Lager und sicherten das Spielfeld. Auch die Vorkommnisse vor dem Spiel beim 1. FC Nürnberg, als sich mehr als 200 Anhänger von Dynamo und dem Club vor dem als Hochrisikospiel eingestuften Duell zu einer Schlägerei in einem Gewerbegebiet in der Nähe von Eisfeld verabredet hatten, sollen mit aufgearbeitet werden. Schuster erwarte für die Beteiligten von „DFB/DFL eine schnelle Entscheidung zu bundesweiten Stadionverboten.“

Aufsichtsratsboss Michael Ziegenbalg: „Wir waren schockiert darüber, derartige Szenen beobachten zu müssen. Dass erstmals seit dem Stadionneubau 2009 eine solche Eskalation passieren konnte, hat alle erschüttert. Wenn Vertrauen missbraucht und deutliche Grenzen überschritten werden, sind wir als Verein in der Verantwortung, grundsätzliche Vorgehensweisen zu ändern.“ Bei weiteren Vorfällen drohen zudem Sponsorenverluste und dauerhafte Schäden.

Platzsturm, Ausschreitungen, Hertha siegt in Dresden

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Überschattet von Ausschreitungen hat Dynamo Dresden das Zweitliga-Topspiel gegen Hertha BSC am Samstagabend mit 0:1 (0:0) verloren. Spielerisch zeigten beide Teams lange magere Kost und lieferten kaum nennenswerte Chancen. Im zweiten Durchgang flog dann erst Brekalo vom Platz, ehe Dynamo vom Punkt die Führung liegen ließ und schließlich sogar den entscheidenden Gegentreffer kassierte.

Pyro schon zu Beginn und Abbruch

Schon in den ersten Minuten hatten beide Fanlager großflächig Pyrotechnik gezündet. Aus dem Berliner Gästeblock war dichter blau-weißer Rauch aufgestiegen, während Dresdner Anhänger hinter dem Ultrablock außerhalb des Stadions ein Feuerwerk abbrannten. Aufgrund der eingeschränkten Sicht stellte Schiedsrichter Sven Jablonski die Begegnung nach drei Minuten erstmals vorübergehend ein.  Knapp 18 Minuten lang war es ein intensives Spiel, in dem Hertha ein wenig die Oberhand hatte, es ingesamt aber weit mehr hitzige Duelle als Torchancen gab. Fußballerisch war sie kein Leckerbissen, abseits des Balles aber höchst problematisch. In der Anfangsphase gab es immer wieder Pyro- und Böller-Geknalle und eine kurze Unterbrechung, doch so schlimm diese Situation auch war, in der 19. Minute wurde es noch viel schlimmer.

Zuschauer stürmen das Feld

Zunächst war im Hertha-Block ein lauter Knall zu hören, anschließend sprangen sowohl Dresdner als auch Berliner Anhänger über die Zäune. Mehrere Dynamo-Fans liefen quer über das Spielfeld in Richtung des Gästeblocks. Jablonski unterbrach das Spiel sofort und schickte beide Mannschaften in die Kabinen. Polizisten versuchten, die auf den Platz gelangten Dresdner Anhänger zurück in ihren Block zu drängen. Insgesamt mehr als 100 Beamte stellten sich in zwei Reihen in der Dynamo-Hälfte auf, mit Blick auf den Ultrablock. Die Stimmung im Rudolf-Harbig-Stadion war zu diesem Zeitpunkt stark aufgeheizt. Der gelbgesperrte Dresdner Kapitän Stefan Kutschke versuchte unterdessen, zu vermitteln und auf die Ränge einzuwirken. Nach rund 20 Minuten zogen die Einsatzkräfte vom Rasen ab. Der Stadionsprecher kündigte an, dass die Partie fortgesetzt werde, was dann auch geschah.

Herthas Geschäftsführer Peter Görlich sagte in der Halbzeitpause bei Sky, ein solcher Fahnenklau sei aus Sicht des Klubs der Auslöser dafür gewesen, dass Berliner Anhänger den Innenraum hätten stürmen wollen. Ob es sich dabei um eine zentrale Zaunfahne der Hertha-Ultras handelte, blieb jedoch weiterhin unklar. Im Dresdner Block war während der Unterbrechung jedoch zu sehen, wie eine Hertha-Fahne verbrannt wurde. Gesänge wie „Haha, wo ist eure Fahne hin…“ bestätigten dies offenbar. In der Ultra-Kultur gilt das Erbeuten gegnerischer Fahnen als schwerwiegende Provokation und führt häufig zu weiterer Eskalation.

Nach der halbstündigen Unterbrechung betraten beide Teams wieder das Feld, arbeiteten sich in den verbleibenden 25 Minuten jedoch hauptsächlich aneinander ab, ohne wirklich gefährlich zu werden. Mit dem zweiten Schuss von Reese hatte Schreiber erneut keine Probleme (25.), beim Zuspiel von Alexander Rossipal stand der gut positionierte Ben Bobzien knapp im Abseits und traf zudem den Ball nicht, sodass es zur Pause beim 0:0 blieb.

Großchancen für beide Teams, Brekalo sieht Rot

Fernab dieser Thematik ging es in der zweiten Halbzeit sportlich um sehr viel. Dresden brauchte im Abstiegskampf jeden Punkt und Hertha benötigte unbedingt einen Sieg, um im Aufstiegskampf der 2. Liga eine gewichtigere Rolle spielen zu können. Die größte Chance auf die Führung hatte schließlich Dynamo in der 62. Minute, als Kofi Amoako den Ball perfekt auf Ben Bobzien flankte, der aber knapp am Tor vorbeischoss.

Unmittelbar danach vergab Dawid Kownacki die größte Hertha-Gelegenheit, als er aus der Drehung zu hektisch abschloss (63.). Nach den schlimmen Fan-Szenen der ersten Halbzeit gab es kurz danach eine ganz schlimme sportliche Szene: Josip Brekalo trat Robert Wagner mit der der Sohle voll aufs Schienbein und sah völlig zu Recht die Rote Karte (66.). Der für Berlin so wichtige Sieg war nun ganz weit weg und Dresden eröffnete sich die Möglichkeit, Big Points im Keller zu holen. Nach einer Ecke ging der Ball an den zu hohen Arm von Paul Seguin. Den fälligen Strafstoß nahm sich Vincent Vermeij, der mit seinem halbhohen Schuss jedoch an Tjark Ernst scheiterte (78.).

Zehn Minuten vor Ende sorgte ein Hertha-Vorstoß für das spielentscheidende Tor: Eine Flanke von Reese fand Marten Winkler, dessen Kopfball fälschte Alexander Rossipal mit dem Hinterkopf unglücklich ab. Die daraus resultierende Bogenlampe landete unhaltbar für Tim Schreiber zum 0:1 im Netz. In Überzahl versuchte Dresden bis zum Schluss noch einmal alles, kam jedoch nicht mehr zu zwingenden Chancen und musste sich mit 0:1 geschlagen geben.

Dresdens Trainer Thomas Stamm haderte: „Auch den Elfmeter ausgenommen, müssen wir das auch so für uns entscheiden.“ Der Grund dafür sei die fehlende Effizienz gewesen, so Stamm. Herthas Stefan Leitl freute sich über das glücklichere Ende seiner Mannschaft nach einer „klaren Roten Karte“ und dem Elfmeter: „Trotzdem kommen die Jungs dann zurück und belohnen sich über einen großen Einsatz und große Disziplin.“ Und so baute das Team von Leitl seine starke Form auf 13 Punkte aus den vergangenen fünf Spielen aus, der Rückstand auf die Plätze zwei und drei beträgt vor den Sonntagsspielen nur noch vier Zähler. Mit einem Sieg am nächsten Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern (13 Uhr) will Hertha noch mehr Druck auf die Top drei machen. Dresden muss gleichzeitig beim 1. FC Nürnberg punkten, sonst droht die Rückkehr auf die Abstiegsplätze.

2.Liga 2025-2026 | Spieltag 28
| Heinz-Steyer-Stadion | 04.Apr..2026-20:30
Dynamo Dresden
U S U S N
0 : 1
Endstand
Hertha BSC
N S S U S
Alexander Rossipal
80'
1. Halbzeit
45' 15' 30'
 
2. Halbzeit
90' 60' 75'
3'
Tore
80'
Eigentor

 

Statements zu Ausschreitungen im Spiel von Hansa gegen Dynamo

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Die Randale beim Drittliga-Ostderby zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden hallen nach. Nach einer Spielunterbrechung von einer halben Stunde schieben sich die Vereine gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Das Ost-Duell zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden sorgt im Nachklang aufgrund der Ausschreitungen weiterhin für viel Aufsehen, der Sieg der Kogge gerät in den Hintergrund. Zweitliga-Absteiger Rostock bezwang am Samstag Aufstiegsaspirant Dresden mit 1:0, doch über das sportliche Geschehen spricht nach der Partie kaum jemand. Schließlich stand das Spiel kurz vor dem Abbruch, nachdem die Partie nach der Pause für etwa 28 Minuten wegen Ausschreitungen von Zuschauern garniert mit massivem Einsatz von Pyrotechnik unterbrochen war.

Schon beim Warmmachen wurden die Spieler von Dynamo mit Leuchtraketen beschossen, wie SGD-Kapitän Stefan Kutschke im Anschluss anmerkte. Im Gegenzug zerstörten SGD-Fans eine Abtrennungsscheibe und versuchten, in den Hansa-Block zu kommen. „Um gewalttätige Übergriffe zu verhindern, wurden in Zusammenarbeit zwischen Landes- und Bundespolizei unverzüglich Kräfte im betreffenden Bereich eingesetzt und die Situation unter Kontrolle gebracht“, teilte die Polizei mit, die mit rund 1.300 Beamten im Einsatz waren, 13 von ihnen wurden verletzt. Zudem erwischte es fünf Stadion-Mitarbeiter bei einem Angriff auf den Catering-Bereich der Gäste-Fans. Überdies mussten den Angaben zufolge am Samstag weitere 33 Personen durch Sanitäter im Stadion behandelt werden.

Hansa reagierte am Sonntag. „Wir werden uns am Montagvormittag mit der Landespolizei treffen und dort eine Auswertung auch auf der Basis des Videomaterials vornehmen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Wehlend der Deutschen Presse-Agentur. „Natürlich bedauern wir, was da passiert ist. Natürlich verurteilen wir Gewalt jeder Art. Aber am Ende wird es darum gehen, dass Hansa handelt. Dass wir unter Beweis stellen, dass wir etwas tun. Wir müssen erst handeln und dann darüber reden – nicht umgekehrt.“

Vorkommnisse schnellstmöglich auswerten

Auch Dynamo verfasste ein Statement nach den Ausschreitungen in Rostock. „Ein derartig aggressiver und gezielter Angriff auf unsere Fans ist in keiner Weise verständlich und für uns nicht hinnehmbar. Wenn Menschen gezielt andere Personen mit Feuerwerkskörpern attackieren und so schwere Verletzungen in Kauf nehmen, dann muss man von einem Versagen aller Sicherheitsorgane sprechen“, ließ David Fischer, Geschäftsführer Kommunikation der SGD, unmissverständlich wissen. Fischer will „diese Vorkommnisse schnellstmöglich mit dem F.C. Hansa auswerten, um klare Erkenntnisse zu erlangen. Den Verletzten wünschen wir eine schnelle Genesung und bedauern diese Szenen zutiefst.“

Stefan Kutschke im Interview:
https://www.kicker.de/wenn-beim-warmmachen-ein-spieler-mit-leuchtspur-abgeschossen-wird-1092813/video

1.300 Beamte im Einsatz

„Um gewalttätige Übergriffe zu verhindern, wurden in Zusammenarbeit zwischen Landes- und Bundespolizei unverzüglich Kräfte im betreffenden Bereich eingesetzt und die Situation unter Kontrolle gebracht“, teilte die Polizei mit. Insgesamt seien rund 1.300 Beamte der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern und der Bundespolizei im Einsatz gewesen. Im ausverkauften Stadion waren 29.000 Zuschauer.

Straftaten bereits im Vorfeld

Neben den Ausschreitungen im Stadion sind nach Polizeiangaben bereits im Vorfeld des Spiels weitere Straftaten begangen worden. Dazu gehören Sachbeschädigungen, Nötigung im Straßenverkehr, Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz sowie Verstoß gegen das Waffengesetz. Drei Tatverdächtige seien identifiziert worden. Zudem sei ein Strafverfahren wegen Raubes von Fan-Utensilien eingeleitet worden.