Hansa Rostock gewinnt Ost-Derby gegen Dynamo Dresden

Dynamo Dresden hat durch ein frühes Gegentor bei Hansa Rostock verloren

Nach einer um 30 Minuten verlängerten Halbzeitpause wegen Fan-Ausschreitungen verpassten die Sachsen den möglichen Ausgleich. Kurz vor Beginn der zweiten Hälfte eskalierte die Lage auf den Zuschauerrängen. Bis dahin war es ruhig geblieben beim emotionalen Ost-Klassiker. Doch als die Teams vor dem zweiten Durchgang bereitstanden, wurden im Dresdner Fanblock und im angrenzenden Hansa-Block massiv Böller und Leuchtraketen gezündet. Auslöser war nach Angaben der Polizei, dass im Dresdner Fanblock eine Plexiglasscheibe, über der ein Banner hing, zerstört wurde. Dadurch habe die Gefahr bestanden, dass Personen in den sogenannten Pufferblock eindringen. Deshalb sei es zum Polizeieinsatz gekommen. Anschließend wurden die Böller und Raketen gezündet.

Vor Spiel fliegt Rakete inmitten die Spieler von Dynamo Dresden

Den ersten Zwischenfall gibt es schon vor dem Anpfiff. Das Ostseestadion war bei diesem Hochsicherheitsspiel mit 26.000 Zuschauern ausverkauft. Auch der Gästeblock war mit 2600 Dynamo-Fans bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Motto der SGD-Anhänger lautete: „Alle in Schwarz nach Rostock!“ Diesmal gab es die erste unschöne Szene bereits vor dem Anpfiff. Als Dynamo zur Erwärmung rauskam, ging eine Rakete aus dem Hansa-Block inmitten der Dresdner Spieler nieder. Kapitän Stefan Kutschke schoss darauf wütend einen Ball in Richtung der Rostocker Anhänger. Wenig später wurde im Rostocker Fanclub mehrere Rauchtöpfe entzündet. Bei der großen Choreo hieß es auf dem Banner: „Für immer nur Hansa!“ Das Spiel begann mit dreiminütiger Verspätung, weil der Rauch das Spielfeld eingehüllt hatte.

Während Rostocks Trainer Daniel Brinkmann im Vergleich zur deutlichen 0:5-Niederlage bei Waldhof Mannheim gleich fünf Änderungen vornahm, begannen die Sachsen mit der exakt gleichen Startformation wie beim berauschenden 5:2-Erfolg gegen 1860 München.

Fröling bringt Hansa schon früh in Führung

Jedoch erwies sich Hansa vom Start weg als unangenehmer Gegner. Einen Fehlpass von Dynamo-Torwart Tim Schreiber nutzte die früh pressende Kogge sofort aus: Nils Fröling köpfte eine Flanke von der linken Seite zum 1:0 ins Tor (11.). Auch danach zeigten sich die Rostocker giftig in den Zweikämpfen, sie machten nach Balleroberungen viel Tempo nach vorn. Franz Pfanne (15.) und Felix Ruschke (19.) verzeichneten weitere Abschlüsse.

Erst als sich das Geschehen etwas beruhigte, erholten sich die Gäste und arbeiten sich langsam wieder in die Partie hinein. Eine durchgerutschte Flanke nahm Tony Menzel direkt – über das Tor (30.). Stamm zog zudem bereits früh eine Wechsel-Option, brachte Stefan Kutschke für Mika Baur (35.) und damit mehr Robustheit ins Spiel. Einen Schuss von Niklas Hauptmann hatte Rostocks Keeper Benjamin Uphoff erst im Nachfassen (36.). Dynamo machte zunehmend Druck und brachte die Gastgeber in Bedrängnis, aber Hansa rettete die knappe Führung in die Pause. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hätte es sogar einen Elfmeter für Rostock geben können, als Aljaz Casar im eigenen Strafraum Sigurd Haugen umklammerte – aber der Pfiff von Schiedsrichter Tom Bauer blieb aus.

Eskalation auch auf dem Rasen

Das heizte die Stimmung auf den Rängen an – und auch auf dem Rasen. Spieler und Verantwortliche gingen kurzzeitig aufeinander los. Später beruhigte sich die Lage wieder. Die Zuschauer wurden über die Stadionlautsprecher aufgefordert, jegliche Provokationen zu unterlassen, sei es durch das Verlassen des zugewiesenen Blocks oder durch Pyrotechnik. Dabei wurde auch der sofortige Abbruch der Partie im Falle von weiteren Ausschreitungen angedroht. So weit kam es aber nicht. Das Spiel konnte zu Ende gebracht werden.

Minutenlang fliegen Feuerwerksraketen und weitere Pyro-Technik in Richtung Gästeblock mit den Fans von Dynamo Dresden. Viele Zuschauer verlassen rennend das Stadion. Der Fanblock von Dynamo Dresden wird regelrecht angegriffen.

Nach insgesamt 45 Minuten Pause ging es weiter – zunächst etwas unstrukturiert auf beiden Seiten. Dann hatte plötzlich Dynamo die Riesenchance zum Ausgleich: Kutschke gab den Ball klug in den Fünfmeterraum, dort verpasste Christoph Daferner knapp, am langen Pfosten wurde Robin Meißner gerade so von Pfanne gestört (60.). Die Dresdner erzeugten im zweiten Durchgang insgesamt zu wenig Druck, hatten aber immerhin noch zwei weitere Möglichkeiten: Erst war Menzel nach einer von Daferner verlängerten Heise-Hereingabe zu überrascht (76.), dann verzog Meißner nur knapp (84.). Auch die letzten Minuten überstand Rostock schadlos.

„Das Sportliche tritt natürlich in den Hintergrund. Es kotzt einen an, solche Bilder zu sehen“, fand Hansa-Vorstandschef Jürgen Wehlend im NDR Interview klare Worte. „Der Auslöser ging klar von den Gästefans aus, in dem Block ist kein Stein mehr auf dem anderen. Aber die Reaktion darauf ist natürlich auch unterirdisch“, ergänzte Wehlend.

„So etwas gehört absolut nicht in ein Fußballstadion. Mein Sohn saß über dem Spielertunnel und hat geweint, weil er Angst hatte“, kommentierte Rostocks Coach Daniel Brinkmann die Ausschreitungen: „Das waren Szenen, die waren gefährlich. Und es ist schade, wenn ich in der zweiten Halbzeit ein schlechtes Gefühl habe, weil meine Kinder auf der Tribüne sind. Das darf einfach nicht passieren.“

3. Liga 2024-2025 | Spieltag 25
| Ostseestadion | 22.Feb..2025-14:00
Hansa Rostock
S N S U N
1 : 0
Endstand
Dynamo Dresden
N U S N S
Nils Fröling
11'
Tore
11'
Spielstatistiken
Hansa Rostock
Dynamo Dresden
Am Tor vorbei 8
Schüsse auf das Tor 2
Schüsse auf das Tor 5
Am Tor vorbei 6
1 Tore 0
52 Ballbesitz 48
4 Ecken 1
19 Fouls 24
4 Abseits 2
4 Gelbe Karten 3
10 Torschüsse gesamt 11
2 Schüsse auf das Tor 5
8 Schüsse neben das Tor 6
29 Einwürfe 17
23 Freistöße 26