Ein trauriger und schwarzer Tag!
Alle gedachten dem 52-jährigen Eintracht-Fan, der vor Spielbeginn auf der Haupttribüne zusammenbrach und auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Sportlich haben sowohl Eintracht Braunschweig als auch Dynamo Dresden beim 2:2 (1:1)-Unentschieden die Trendwende in der 2. Fußball-Bundesliga verpasst – doch all das wird nebensächlich angesichts der Tragik, die abseits des Platzes geschah.
Die Partie wurde aufgrund des Vorfalls um 15 Minuten verschoben. Nach einem kurzen Gang in die Kabinen liefen die Mannschaften dann mit einer Viertelstunde Verspätung gemeinsam ein, ehe Schiedsrichter Lars Erbst (31) die Begegnung um 13.15 Uhr freigab. Die Stimmung auf den Rängen war auch zu diesem Zeitpunkt spürbar gedämpft. Der Schreck steckte den Fans nach den beunruhigenden Szenen auf der Tribüne zunächst noch in den Knochen.
Auf dem Platz dagegen gab es keine Abtastphase: Die erste Gelbe Karte zückte Schiri Erbst schon nach wenigen Sekunden. In der fünften Minute stand es nach Treffern von Nicolai Rapp für Dresden (3.) und Maximilian Entrup für Braunschweig (5.) 1:1. Die Mannschaften zeigten sich unbeeindruckt von dem, was fernab des Feldes passiert war, und beinahe hätte es noch vor der Zehn-Minuten-Marke den nächsten Treffer gegeben. Robert Wagner versuchte es aus 23 Metern und traf mit seinem fulminanten Schuss die Latte (8.). Erst danach gönnte sich die Partie eine kleine Verschnaufpause, wobei es intensiv blieb. Weitere Höhepunkte gab es bis zum Seitenwechsel aber keine mehr.
In der Pause kam die traurige Nachricht, dass es der Fan nicht geschafft hat
Vor dieser schrecklichen Nachricht hatten die beiden Lager auf den Support von der Tribüne verzichtet, danach wurde wieder Stimmung gemacht. Nicht aus Mangel an Respekt oder Pietät, sondern auf Wunsch der Familie, wie über die Stadionmikrofone gesagt wurde. Die Braunschweiger selbst hatten während der Halbzeit bekannt gegeben, dass es sich um einen Eintracht-Fan gehandelt habe. „In solchen Momenten rückt der Fußball in den Hintergrund“, schrieb der Zweitligist in den sozialen Medien.
Auch nach der Pause war es zunächst ein Abnutzungskampf – und dann waren beide Mannschaften wieder unmittelbar hintereinander erfolgreich. Braunschweig hatte zunächst Pech, dass Junior Zé nur den Pfosten traf (66.), doch nach der folgenden Ecke gab es nach einem klaren Halten von Tobias Raschl zu Recht Elfmeter. Den verwandelte Mehmet Aydin souverän (68.), doch wie zu Beginn des Spiels folgte die schnelle Antwort des Gegners.
Wie beim ersten Braunschweig-Gegentor folgte der Ausgleich auf einen Eckstoß, Thomas Keller nutzte einen Fehler von Torhüter Ron-Torben Hoffmann zum 2:2 (72.). Erneut war das nur eine kurze Phase an Höhepunkten vor den Toren, danach mieden beide Mannschaften das Risiko. Die einzigen aussichtsreichen Gelegenheiten auf den Siegtreffer hatten Dresdens Joker Friedrich Müller, dessen Schuss einen Meter über das Tor flog (87.), und Simon Straudi, nach dessen Abschluss Hoffmann zur Stelle war (89.).
So müssen sich die Mannschaften weiter Richtung Abstiegsregion orientieren. Sowohl Braunschweig (spielt nächsten Samstag um 13 Uhr beim 1. FC Kaiserslautern) als auch Dynamo Dresden (Samstagabend gegen Hertha BSC) haben erst vier Punkte auf dem Konto. Doch das geriet an diesem Nachmittag in den Hintergrund.
Stimmen
Dresdens Trainer Thomas Stamm äußerte sich ebenfalls sehr betroffen: „Die wichtigste Botschaft ist, dass wir von Dynamo Dresden unser Beileid aussprechen, den Angehörigen, der ganzen Eintracht-Familie. Fußball soll komplett in den Hintergrund rücken.“ Im Hinblick auf die Leistung seines Teams konstatierte er: „Wir müssen einfach effizienter werden im letzten Drittel.“
Ähnlich äußerte sich auch Braunschweigs Trainer Lars Kornetka: „Unser tiefstes Mitgefühl gilt der Familie. Es hat uns alle sehr betroffen gemacht. Wenn sowas passiert, gerät der Sport natürlich in den Hintergrund.“ Die Partie selbst war für ihn „ein wildes Zweitligaspiel. Das war glaube ich vom Ergebnis her so okay.“
„Wir wussten, es ist etwas passiert, aber nicht genau was. Dementsprechend waren wir aber vorbereitet, dass die erste Halbzeit dann auch geräuschtechnisch so aussieht. Aber ja, dann tritt natürlich das Sportliche in den Hintergrund, das ist vollkommen klar„, so Niklas Hauptmann.
Dynamo-Torschütze Nicolai Rapp: „Wir haben vor dem Spiel mitbekommen, dass es einen medizinischen Notfall gibt. Was passiert ist, ist unfassbar traurig und schockierend.“

